Aufgebügelt!

Neue Stromabnehmer für die Brawa 144


Mit der im Jahre 2024 erschienenen 144 stellte Brawa endlich einen absoluten Bundesbahn-Klassiker der Epoche IV auf das Gleis. Es ist schon erstaunlich, wie lange die Modellbahnhersteller diesen elementaren Eckstein deutscher Lokgeschichte - zumindest als zeitgemäß detailliertes Modell - ignorierten. Umso größer ist die Freude über die nun verfügbaren Modelle der 144 in grüner und auch ozeanblauer Farbgebung.

Genau genommen handelt es sich jedoch nicht um Neuentwicklungen, sondern um leicht abgewandelte Varianten der bereits vor mehreren Jahren erschienenen E 44 aus gleichem Hause.


Insgesamt kann mit Fug- und Recht behauptet werden, dass es sich bei diesen Modellen um äußerst filigrane Nachbildungen auf höchstem Niveau handelt. Es bereitet absolute Freude, die hochfeinen Details an den Modellen zu entdecken - von den Drehgestellen mit maßstäblichen Bremsgestänge, über die Schlussscheibenhalter bis zu der überaus gelungenen Dachausrüstung.


Doch genau hier gibt es einen Wermutstropfen:

Die Umsetzung der Stromabnehmer ist derart grazil ausgefallen, dass selbst die fein angesetzten Griffstangen im Querschnitt noch deutlich dicker sind. Hier hat es Brawa mit der Maßstäblichkeit wirklich zu gut gemeint, zumal die verbauten Stromabnehmer der Bauart SBS 10 jegliche Berührung sofort mit einer ungleichmäßigen Geometrie quittieren.

Mich persönlich stellte dieser Zustand nicht zufrieden, so dass ich mich zu einem Umbau entschied.


Die Lösung:

Montage der ebenfalls sehr gelungenen Piko - SBS 10, welche dort für die BR 191 verwendet werden.

Diesen Gedanken brachte ein sehr gut befreundeter Spitzen-Modellbahner ein, ebenfalls "geplagt" von den Brawa-Stromabnehmern. So beschlossen wir beide, uns der Sache konkret anzunehmen.



Abbildung:

Der mit 144 071 bespannte Kühlwagenzug bei der Einfahrt in den Bahnhof.

Wie man sieht, trägt die Lok bereits die betriebssicheren Piko-Stromabnehmer - ein Anblick, der Genuss am Modellbau bereitet.





Abbildung:

Das Foto verdeutlicht den Handlungsbedarf:

Die Feinheit steht sogar der gewollt-authentischen Erscheinung im Wege. Ein Widerspruch in sich...

Abhilfe schafft der Umbau auf geometrisch exakte und sogar betriebssichere Piko-Stromabnehmer.

Durch diese Modifikation hat das ansonsten superschöne Modell erheblich profitiert.



Der Umbau erfordert Geduld, Geschick und ist leider auch eine spürbare Investition


Natürlich muss zunächst das Material bereitliegen.

Benötigt werden:


  • 2 VE Stromabnehmer der Piko 191
  • 1 VE Isolatorsatz der Piko 191
  • Spiralbohrer 0,2 mm
  • Spiralbohrer 0,5 mm
  • Spiralbohrer 0,7 mm
  • Spiralbohrer 1,0 mm
  • Spiralbohrer 1,2 mm
  • Spiralbohrer 2,0 mm
  • Bohrkloben
  • Watenfreier Präzisionsseitenschneider
  • Pinzette
  • Präzisionsschraubendreher Kreuzschlitz
  • Modellbaufarben RAL 3000 "feuerrot" und je nach Modell RAL 7022 "umbragrau" bzw. silber.
  • Sehr feine Pinsel
  • Zahnstocher
  • Sekundenkleber


Nach Entriegelung und behutsamer Abnahme des Gehäuses (4 Riegelschieber hinter den Aufstiegsleitern) werden die innerhalb des Stromabnehmer-Tragrahmens liegenden Isolatoren herausgezogen. Erst im Anschluss sind die Brawa-Stromabnehmer abzuziehen. An meinen Modellen waren die Stromabnehmer nur gesteckt. Tatsächlich bilden die Brawa-Stromabnehmer samt Tragrahmen nebst Isolatorenreihen eine komplette Einheit.

Die bereits erwähnten Isolatoren werden später durch Piko-Teile ersetzt.


Das weitere Vorgehen beschreibe ich im hier folgenden, bebilderten Bereich.




Abbildungen:

Hier zeigt sich die erste zu nehmende Hürde: Die Lichtleiter der oberen Spitzenleuchte ist für die künftige Verschraubung des Piko-Stromabnehmers im Wege. Da der Aufnahmeblock für den Lichtleiter eine unlösbar verklebte Einheit zusammen mit den Fensterbändern bildet, muss mechanisch getrennt werden. Das erledigte ich mit dem 1 mm Spiralbohrer. Die entstehenden Stege werden mit den watenfreien Seitenschneider durchtrennt.




Abbildungen:

Im nächsten Schritt darf absolut nichts schiefgehen:

Das zentrale Durchgangsloch für die Verschraubung des neuen Stromabnehmers muss exakt mittig zu den vier vorhandenen Bohrungen der ursprünglichen Stromabnehmerbefestigung angeordnet werden. Vorgebohrt wird mit 0,2 mm; die 1,2 mm-Bohrung folgt anschließend. Um den Lichtleiter später wieder in seine Lage zu verbringen, muss zusätzlich gesenkt werden. Hier ist absolutes Fingerspitzengefühl gefragt. Diese Arbeit erledigte ich mit einem 2 mm-Bohrer. Selbsredend ist, dass bei diesen Arbeiten ausschließlich manuelle Bohrwerkzeuge Verwendung finden - maschinelle Werkzeuge z.B. Dremel, verbieten sich hier.

Auf dem rechten Bild ist der gewünschte Endzustand zu sehen. Piko liefert erfreulicherweise die benötigten Senkschrauben zusammen mit den Stromabnehmern aus.




Abbildungen:

Nun sind die gegebenen Bohrungen der ursprünglichen Stromabnehmeraufnahme mit einem 0,7 mm-Spiralbohrer aufzuweiten. Die Lochabstände passen exakt zu den Isolatortraversen aus dem Piko-Isolatorsatz der BR 191.

Vor dem endgültigen Einsetzen und Verkleben mit Sekundenkleber mittels Zahnstocher empfiehlt sich die farbliche Behandlung der Isolatorreihe mit

RAL 3000. Die Wirkung ist enorm und auf dem Foto in der unteren Reihe sehr gut zu sehen.

Der Sockel des Brawa-Isolators neben der neuen Zentralbohrung muss ebenfalls entfernt und beigeschliffen werden.




Abbildungen:

Jetzt können auch die Stromabnehmer montiert werden. Zuvor behandelte ich die Grundplatte des Stromabnehmers - hier mit RAL 7022 (umbragrau).

Bei der Montage ist auf die richtige Position der Stromabnehmer zu achten, denn in Fahrtrichtung links muss noch eine 0,5 mm-Bohrung eingebracht werden. In diese Bohrung wird im Anschluss ein spezieller Sockel nebst Isolatoreinheit eingesteckt.

Auch die Lichtleiter werden nun wieder eingesetzt. An den Trennbohrungen brachte ich mittels Zahnstocher nur wenig Sekundenkleber auf. Das genügt und erlaubt bedarfsweise auch später wieder den Zugriff auf die Senkschraube des Stromabnehmers.




Abbildungen:

Nach der Platzierung der innenliegenden Isolatoreinheit ist der Stromabnehmerumbau abgeschlossen. In der Detailaufnahme rechts besticht die farbliche Behandlung der Isolatorreihen.



Abbildungen:

Nachschuss auf die 144 071-8: Faszination auf ganzer Linie für dieses schöne und nun auch am Fahrdraht betriebssichere Modell.

Ein Detail am Rande sind außerdem die von mir mit ozeanblauer Farbe korrekt nachbehandelten Griffstangen an den Vorbauten der Lok.



Abbildungen:

Auch die 144 009-8 im klassischen chromoxidgrün erhielt inzwischen die gelungenen Piko-Stromabnehmer und kann nun problemlos mit Fahrdrahtkontakt eingesetzt werden.