Bolkop – Zeitlose niederländische Wagenlegende in Spur N


Sie prägten den europäischen Nachkriegsverkehr, waren in namhaften D-Zügen vertreten und setzten im markanten Dunkelblau Maßstäbe im Stromliniendesign:


Die legendären „Bolkoppen“ der Typen Plan D und Plan K.



Abbildung:

Der fertig aufbereitete Plan K, inzwischen auch mit eingesetzten Fenstern.
Als Basis dient der überraschend gut proportionierte Arnold-Rapido-Wagen (Artikel-Nr. 0368) aus dem Jahre 1971.
Dieses überaus betagte Basis-Modell stellt bis heute das einzig verfügbare Spur-N-Großserienmodell eines "Bolkop" dar.
Es wird heutzutage nur selten angeboten und für durchaus hohe Sammlerpreise gehandelt.



Oft werden diese beiden Wagenbauarten durch ihre ähnliche Optik miteinander verwechselt.

Während die älteren Plan D-Wagen zuletzt als reine erst- oder zweitklassige Wagen sowie in Form des kombinierten Restaurantwagens mit Gepäckabteil existierten, fehlte der niederländischen Eisenbahn eine gemischtklassige Ausführung für internationale Kurswagenverkehre.


Diese Lücke wurde durch den Plan K geschlossen. Der Plan K war also stets ein 1. / 2. Klasse-Wagen und leitete sich mit einigen Bauartunterschieden prinzipiell von der Wagengattung des Plan D ab.

Ein untrügliches Unterscheidungsmerkmal sind u. a. die kleinen Lichtschirme über den im Dach angeordneten Zugschluss-Leuchten des Plan K, sowie die nur einseitig vorhandenen, schmalen Fenster im Stirnbereich.


In Ermangelung zeitgemäßer Großserienmodelle zeigt dieser Beitrag die umfassende Aufbereitung des heute veralteten, aber bereits überraschend maßstäblichen Arnold-Modells aus dem Jahre 1971 zu einem brauchbaren Anlagen- und Vitrinenmodell.

Übrigens:

Bis in die frühe Epoche IV durchquerten die „Bolkoppen“ im Verband mit Silberlingen planmäßig sogar das Ruhrgebiet bis Hagen oder gelangten als geschlossene Garnitur hinter einer V 200 bis Bad Harzburg.


Hallo werte Modellbahn-Industrie...

es bleibt nach weit über 50 Jahren die Hoffnung, dass sich ein Großserienhersteller dieser absolut ikonischen „Bolkoppen“ der Reihen Plan D und Plan K unserer niederländischen Nachbarn endlich als Modellumsetzung erbarmt...



Abbildung:

Im direkten Vergleich gegenüber einer heutigen Modellkonstruktion zeigen sich die Schwächen des noch völlig unbehandelten Arnold -"Bolkop" deutlich.
Für einen Modelleinsatz entspricht das Fahrzeug - zumindest in diesem Zustand - nicht meinem Empfinden.


Trotz seiner grundsätzlichen Maßstäblichkeit und der gut gelungenen Drehgestelle erfüllt das ursprüngliche Basis-Modell in keiner Weise mehr den heutigen Anforderungen.


Es mangelt nicht nur an einer feinen Lackierung und Beschriftung, sondern auch an der fehlenden Kurzkupplungskulisse, den groben Puffer-Nachbildungen, einer geeigneten Fahrzeughöhenlage, unvollständiger Inneneinrichtung und den lediglich hinterlegten Fenstern.
Besonders letzgenannter Punkt bleibt leider auch bei meiner Modifizierung als bisher ungelöst bestehen. Zumindest gibt es dazu bereits erste Lösungsansätze und Ideen.

Dennoch lohnt es, sich dem Modell grundsätzlich zu widmen.


Die Überarbeitung in Bildern:






Abbildung:

Zunächst kümmerte ich mich um das Chassis und die Drehgestelle.
Der Wagenboden erhielt passgenaue Aussparungen für die sauber einzusetzende PeHo-Kurzkupplungskulisse. Auch das Wagengehäuse bedarf einer diesbezüglichen exakt einzubringenden Material-Ausnehmung:
Die Drehgestelle erhielten 5,6 mm Laufkreisdurchmesser-Tauschradsätze und Schleifer für Arnold-Rapido aus dem Zubehör.
Eine von mir angelötete Kabelverbindung, bestehend aus hochflexibler Decoder-Litze, sorgt für eine zuverlässige, elektrische Verbindung zum Wageninneren.
Die unbrauchbaren Plastikpuffer kürzte ich an der Pufferhülse ein und bohrte entsprechende Aufnahme-Löcher für Fleischmann-Metallpuffer.






Abbildung:

Im Wagengehäuse ergänzte ich die die fehlenden Abteile an den Wagenenden. Wegen der vorzunehmenden Aussparungen für die Kurzkupplung, sowie der Kontaktlaschen zur elektrischen Verbindung des verschalteten Daches, verzichtete ich auf die Nachbildung der WC-Räume.

Das Wagendach beherbergt einen DIY-Komponententräger aus Pertinax zur gepufferten Zugschlussbeleuchtung mit einem 470uF-Kondensator.

Da der Wagen zusammen mit unbeleuchteten Silberlingen eingesetzt werden soll, verbaute ich keine Innenbeleuchtung.
Wichtig zu beachten ist jedoch die nicht unbeachtliche Lichtleitfähigkeit des aus einem Bauteil mit der Verglasung bestehenden Wagendaches. Es handelt sich um ein transparentes Element, dessen Dachpartie lediglich in Wagenfarbe lackiert ist. Deshalb muss der Lichtstreuung rund um die eingesetzten SMD-LED sehr sorgfältig mit schwarzer Lackfarbe entgegengewirkt werden. Eine geringfügige Reststreuung wird allerdings bleiben.






Abbildung:

Nachdem die mechanischen und elektrischen Modifikationen erfolgreich umgesetzt wurden, beschäftigte ich mich mit der Lackierung des Wagenkastens. Die Inneneinrichtung wurde farblich behandelt und der Wagenkasten erhielt einen schicken Farbauftrag mit Weinert-Lack. Dazu wurde von hell nach dunkel lackiert: Zuerst flächig in Zierstreifenfarbe und nach exakter Abklebung die dunkelblaue Lackfarbe.
Selbstverständlich erhielt auch das Dach anstelle der ursprünglichen, silberfarbigen Lackierung ein vorbildnahes Anthrazitgrau, sowie ein vorsichtiges Washing.

Da es sich bei meinem Modell um einen Schlusswagen handelt, konstruierte ich auch einen eingezogenen Faltenbalg für das Wagenende mit dem Zugschlusslicht. Das entsprechende 3D-Druckteil bildet ein sehr feines Detail an diesem formschönen Modell.





Abbildung:

Zur anstehenden Beschriftung recherchierte ich zunächst das Vorbild und kümmerte mich dann um die relevanten Maße auf der Wagenseitenwand. In meinem Falle sollte eine Beschriftung in der Epoche IV - noch für internationale Einsätze - Anwendung finden. Das Vorbild wurde nämlich in der letzten Betriebsphase nur noch auf dem niederländischen Eisenbahnnetz eingesetzt und tatsächlich führte das auch zu einer anderen Beschriftungsvariante.

Nachdem alle Eckdaten geklärt waren, fertigte mir ein Decalanbieter die Wunschbeschriftung an.
Auf den Detailbildern entfaltet sich die erhoffte Wirkung der Bemühungen, auch die nun farblich fein abgesetzten Griffstangen und ein Hauch von Betriebspatina tragen dazu bei. 




Abbildung:

Es macht wirklich Freude das geringfügig tieferliegende Modell und den vorbildlichen Kuppelabstand zu betrachten - hier zusammen mit einem Minitrix-Silberling. Das feine Finish und das dunkle Blau betont die zeitlos elegante Silhouette dieser Wagenbauart in besonderer Weise.


Update:

Neue Fenster - für den Bolkop!




Abbildung:

Wie sehr die gesamte Modellerscheinung durch die nun eingesetzten Fenster gewonnen hat, zeigt der direkte Vergleich. Das Modell wirkt nun nochmals deutlich realistischer und filigraner.






Abbildung:

Die neuen Fenster entstanden im 3D-Druck. Nach der passsgenauen Vermessung (Achtung: Schrumpfungsfaktor einplanen!), fertigte ich die Fensterbänder in unterteilten Abschnitten im SLA-Verfahren. Dazu verwendete ich klares Standard-Resin und ordnete die Drucke unmittelbar flach auf der Bauplatte an. Um die größtmögliche Transparenz der gedruckten Fenster zu erreichen, erfolgte eine Tauchbadbehandlung in Tamiya-Klarlack, gemischt mit einem sehr langen Verdünner. Das wirkt (hoffentlich) nicht nur der Vergilbung entgegen, sondern sorgt auch für eine schlierenfreie und akzeptabel glatte Oberfläche. Man achte auch auf das leicht gekippte WC-Fenster im oberen Drittel.

Es versteht sich von selbst, dass die Arnold-Fenster mechanisch von der Dachpartie herausgetrennt werden müssen, da es sich um ein einziges Bauteil handelt. Nur die Bereiche der Einstiegstüren und Stirnseiten bleiben bestehen, um weiterhin einen stabilen Sitz des Daches gegenüber dem Wagenkasten zu gewährleisten.

Auf Vorschlag eines niederländischen Eisenbahnerkollegen erhielten die Abteile zusätzliche Abtrennungen aus dünnen und braun lackierten Kunststoffstreifen.



Abbildung:

Der Wagen im gemeinsamen Einsatz mit DB-Silberlingen hinter einer 141.


In den frühen 1970er Jahren waren Bolkop-Wagen tatsächlich auf der Relation Amsterdam CS, quer durch das Ruhrgebiet bis nach Hagen (Westf.) in ähnlichen Konstellationen planmäßig anzutreffen. Fotografisch zweifelsfrei nachgewiesen sind die Plan D-Wagen.

Ob der gemischtklassige Plan K ebenfalls auf dieser Relation verkehrte, ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr nachvollziehbar, aber auch nicht ausgeschlossen.
Für diese schöne Szenerie werde ich mir jedoch in Ermangelung der vollständigen Wagenfamilie die Freude an dem Modell nicht nehmen lassen
😊