Steuerwagen im "Karlsruher" Design



Vorbild-Kurzinfo:


Gegen Mitte der 1970er Jahre zeichnete sich der Bedarf modernerer Fahrzeuge für den Bezirksverkehr in Ballungsräumen ab. Aus dieser Erfordernis entstand das Projekt des sogenannten "Karlsruher Zuges", einem lokbespannten Wendezug auf Basis der bekannten Silberlinge. Das Ausbesserungswerk Karlsruhe war mit der Projektumsetzung betraut und deshalb namensgebend. Der optisch in sich geschlossene Zug wurde ab 1977 im Ruhrgebiet erprobt. Als Zuglok war die farblich angepasste 141 248-5 vorgesehen.
Der "Karlsruher Zug" unterschied sich nicht nur durch ein zeitgemäßes Design in der auffällig gestalteten Farbaufteilung unter Nutzung der neuen Hausfarben ozeanblau-elfenbein. Auch in technischer Hinsicht handelte es sich bei den Wagen um Unikate. Die neuartigen Schwenkschiebetüren und eine geänderte Einstiegssituation sollten den Forderungen nach höhengleichen Bahnsteigkanten für einen schnelleren Fahrgastwechsel gerecht werden. Die elektrische Ausrüstung unterschied sich ebenfalls deutlich von den Serienfahrzeugen aus der Silberling-Familie. Das Packabteil im Steuerwagen entfiel zugunsten weiterer Sitzplatzkapazitäten und der Führerstand war von außen zugänglich.
Das technisch neue Konzept lieferte viele Erkenntnisse für künftige Fahrzeugentwicklungen, war aber leider sehr störanfällig. Entsprechend häufig wurden Werkstattaufenthalte nötig.

Der zusätzliche Ersatz-Steuerwagen:
Ein passend lackierter Steuerwagen der Bauart BDnrzf 740 aus der Silberling-Serienlieferung sollte schließlich Abhilfe schaffen. Allerdings weichte das Karlsruher Zugkonzept im täglichen Bahnbetrieb mit der Zeit immer weiter auf, so dass die betroffenen Fahrzeuge vielfach auch im Mischbetrieb mit Serien-Silberlingen zu sehen waren. Ebenso beschränkte sich auch die Bespannung nicht mehr nur ausschließlich auf die ursprünglich vorgesehene 141 248-5. Zum Einsatz kamen neben allen möglichen grünen und ozeanblauen 141 auch die wendezugfähigen 140er ab Ordnungsnummer 757 und sogar die 111 in S-Bahn-Lackierung.
Der Ersatzsteuerwagen - das exakte Vorbild des Fleischmann-Modells - war mit seinem ungewöhnlichen Design später - fernab des Ruhrgebietes - zeitweise sogar in Mühldorf (Obb.) beheimatet.
Sein regulärer Einsatz endete erst 2017.


Abbildung:

Der fertig überarbeitete Steuerwagen im gemeinsamen Modell-Einsatz mit Minitrix-Silberlingen und einer 141. Derartige Zugzusammenstellungen mit dem Ersatz-Steuerwagen im Karlsruher Design waren absoluter Alltag.

Modell:


Dieser Steuerwagen war Bestandteil des Fleischmann-Set 781005. Enthalten waren auch ein AB, sowie ein B-Wagen zusammen mit der 141 248-5. Der Steuerwagen trägt die korrekte Betriebsnummer 50 80 82-34 321-3.
Wie sein Vorbild, so entstammt auch das Modell der Silberling-Serienfertigung mit allen Schwächen, besonders der deutlich zu hohen Wagenlage.
Mit Blick auf das Gelsenkirchener Projekt "Hüttenwerk Schalker Verein" und der vorgelagerten Hauptstrecke ist mir die Garnitur des Karlsruher Zuges natürlich besonders wichtig, denn dort eilten diese Fahrzeuge seinerzeit oft vorbei.
Deshalb entschloss ich mich, das vorhandene Modell des Ersatzsteuerwagens auf ein möglichst ansprechendes Modell-Level zu heben.

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass auch die übrigen Fahrzeuge des Fleischmann-Set 781005 vorhanden sind und sukzessive nachbehandelt werden.

Der folgende Beitrag befasst sich jedoch nur mit dem Ersatzsteuerwagen.


Die Änderungen am Modell:


  • LED-Spitzen- und Schlussbeleuchtung
  • Führerraumbeleuchtung
  • Zeitgemäßer Funktionsdecoder
  • Pufferkondensator
  • Tieferlegung
  • Gestaltete Inneneinrichtung
  • Farbliche Nachbehandlung der Fenster und Spitzenleuchten, sowie des Zugzielanzeigers
  • Zugzielanzeige mit Beschriftung
  • Wagenende mit authentischen Zugschlussimitationen
  • Herabgezogene Rahmenenden im Kopfbereich

Eine Wageninnenbeleuchtung kann optional eingebaut werden, denn auf dem Decoder ist noch ein Funktionsausgang ungenutzt. Gegenwärtig sehe ich dafür aber noch keinen Bedarf.


Auch an dieser Stelle der Hinweis:
Meine gezeigten Eingriffe in die Modellstrukturen erfordern Erfahrung und handwerkliches Geschick.

Eine Garantie für das einwandfreie Gelingen kann ich gegenüber meiner Leserschaft natürlich nicht aussprechen, sondern nur auf den examplarischen Erfolg meiner eigenen Modifikationen hinweisen.




Abbildungen:

Der erste Schritt ist die Tieferlegung des gesamten Wagens.

Das Foto zeigt sehr eindrücklich, warum für eine vorbildnahe Modellumsetzung diese Maßnahme unumgänglich ist.

Wie eine Tieferlegung an Fleischmann-Silberlingen stattfindet, ist in meinem Beitrag
farbiges-outfit-prototyp-silberlinge bereits beschrieben.

Wie gut die Tieferlegung gelingen kann, zeigt auch der direkte Vergleich mit einem Minitrix-Silberling. Die beiden Modelle passen perfekt zusammen.






Abbildung:

Zu beachten ist, dass im Bereich des Steuerkopfes unbedingt diese Ausrundung nötig ist, um ein Auslenken der Drehgestelle auch bei Bogenfahrt und gleichzeit leichter Kippstellung des Drehgestells zu ermöglichen. Ansonsten besteht Entgleisungsgefahr durch ein aneckendes Drehgestell in diesem Bereich. Eine saubere Gleisverlegung ist dennoch Voraussetzung für die Tieferlegung - insbesondere des oft geschobenen Steuerwagens. 
Zwingend erforderlich ist auch der Radsatztausch auf den Laufkreisdurchmesser 5,6 mm.





Abbildung:

Nach der Tieferlegung und der Entnahme sämtlicher Fenster, kümmerte ich mich um die farbliche Gestaltung des Wageninneren. Die Sitze sind im Farbton "burnt red" lackiert, die Einstiegsbereiche-, sowie der Vorraum zeigen sich in resedagrün und der Fußboden ist in anthrazit-grau gehalten. 

Das Vorbild dieses Steuerwagens verfügte über elfenbeinfarbige Fenster. Das veranlasste mich ebenfalls zu einer entsprechenden Nachbearbeitung. 





Abbildung:

Die Entnahme der Fensterbänder ermöglicht auch eine problemloses Herausheben der kompletten Beleuchtungseinheit, nachdem die Drehgestelle abmontiert sind. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, da der Rahmen gegenüber dem Wagenaufbau nicht mehr allzu fest sitzt und sich bei unbedachter Handlung die Kurzkupplungskulissen unkontrolliert aus der Führung schieben können. Ohnehin müssen aber die Kupplungsdeichseln gegen eine kürzere Ausführung (Fleischmann 00388002) getauscht werden. Es empfiehlt sich also, den Wagen komplett zu demontieren.

Ein weiteres Kernanliegen ist auch die Erneuerung der Technik.
Die Glühbirnen wurden durch SMD-LED ersetzt und in 3D-gedruckte Einschübe platziert. Der galvanisch beschichtete Beleuchtungs- und Drehgestellhalter erhielt ebenfalls eine Farbgebung in resedagrün. Dazu wurde die galvanische Metallschicht mit einem Dremel gründlich abgetragen und mit Primer aus dem Autozubehör vorlackiert.
Das Loch für den Lichtleiter der oberen Spitzenbeleuchtung ist als Fixierpunkt der ebenfalls im 3D-Druck entstandenen Führertisch-Andeutung bestens geeignet. Lichttechnisch entfällt der unförmige, vertikale Lichtleiter zum Dach - hier muss die Mini-Trennscheibe behutsam eingesetzt werden.





Abbildung:

Die vorhandene Platine wird weitergenutzt, allerdings mit zwei elektrischen Trennungen modifiziert. Der alte Fleischmann-Decoder entfällt. An dessen Stelle findet ein D&H FH05-Funktionsdecoder Anwendung. Der Pufferkondensator sorgt für flackerfreie Beleuchtung.




Abbildung:

Die Detailaufnahmen zeigen das neue Beleuchtungs-Konzept: Der Lichtleiterblock des oberen Spitzenlichtes nebst Zugzielanzeige ist nach der Umarbeitung mit Kontaktblechen ausgerüstet. Die Kontaktflächen der einstigen Diodenaufnahmen sind nun natürlich galvanisch getrennt. Ganz rechts ist der zweite Schnitt in der Leiterbahn sichtbar. Die abgetrennte Leiterbahn ist nun mit dem gemeinsamen Pluspol, der Versorgungsspannung VS des Decoders (blaues Kabel) verbunden.






Abbildung:

Es darf nicht vergessen werden, den Lichtblock, sowie die angrenzenden Dachflächen vor ungewollten Lichtaustritt zu schützen.

Ein weiteres Detail ist die Aufbereitung des Zugzielanzeigers. Am Dach werden die Imitationen der Gummieinfassungen schwarz abgesetzt, während ein Zuglaufschild als Decal (selbstgemacht) platziert wird.





Abbildung:
Bevor der Wagen zusammengesetzt wird, sind noch einige Detailarbeiten zu erledigen.

Als sehr störend empfand ich die nicht mitlackierten Fensterausschnitte im Bereich der "gummigefassten" Packraumtürverglasung. Mit ozeanblauem Lack (in meinem Fall ein gut gehütetes Farbtöpfen von Roco) schaffte Abhilfe.
Die übrigen Fensterausschnitte blieben hingegen unbehandelt, da die Fensterrahmen mittlerweile gleichfarbig nachgearbeitet sind.
Nicht vergessen werden sollten auch die eckigen Rahmen der unteren Spitzenlampen. Hier empfiehlt sich silberne Farbe zur Auskleidung und ein silberfarbiger Lackstift für die Umrahmung.




Abbildung:
Eine weitere Detailpflege findet am anderen Wagenende statt. Werkseitig ist in die angedeuteten Zugschlussleuchten lediglich ein roter Punkt aufgebracht. Hier kann eine deutliche Veränderung erzielt werden. Dazu werden die Schlussleuchten zunächst sehr präzise durchbohrt. Mit viel Ruhe unter einer Lupenbrille gilt es nun, die kreisrunde Gummilippen-Nachbildung mittels Lackstift nachzuziehen. Dabei ist größte Vorsicht und Sorgfalt geboten.
Anschließend wird ein winziger Tropfen UV-Kleber in die Bohrung "eingerührt" und danach gehärtet. Mit einwenig rotem Transparentlack entsteht diese realistisch wirkende Schlussleuchtennachbildung.




Abbildung:

Der fertig zusammengesetzte Ersatzsteuerwagen des "Karlsruher Zuges" präsentiert sich als überaus ansprechendes Modell und besticht durch seine besondere Lackierung. Die kleinen, aber wirkungsvollen Detailverbesserungen in Verbindung mit der Tieferlegung heben das Modell in eine andere Liga.





Abbildung:
Ziel: Dortmund Hbf - das selbstgedruckte Decal verfehlt seine Wirkung nicht und auch der schwarz umrandete Anzeigekasten trägt dazu bei.
Die Beleuchtung wirkt harmonisch und die schwarze Innenlackierung verhindert wirksam das unerwünschte Durchscheinen im Bereich des Steuerkopfes.

Insgesamt rechtfertigt das schöne Ergebnis die vielen Arbeitsstunden in scheinbar belanglose Details. Dieses Modell zeigt jedoch, dass viele Einzelmaßnahmen letztlich zu einem respektablen Gesamtergebnis führen.