V 320 - Dieselmonument auf 9 mm


Gegen Ende der 90er Jahre stellte Roco das in jeder Hinsicht beeindruckende Modell der 232 001-8 auf die Modellbahngleise. Auch in diesem kleinen Maßstab wird deutlich: Das Modell ist - wie sein Vorbild - eine Superlative, denn immerhin handelt es sich bei dem Original um die größte und auch stärkste Diesellok auf den damaligen Bundesbahngleisen.
Bereits die gigantische Länge über Puffer misst 23 Meter - das sind beachtliche 143 mm im Maßstab 1:160! Damit hebt sich die V 320 001, so die Bezeichnung vor 1968, sogar ganz deutlich auch von den durchaus wuchtigen Modellen der Baureihen V 200, 103 oder 151 ab.
Leider blieb das Vorbild ein Einzelexemplar und im klassischen Bundesbahndesign stand die Lok auch nur bis 1974 im Einsatz - das übrigens als Leihgabe durch den Hersteller Henschel.

In der Folgezeit konnte die Lok ihre Leistungsfähigkeit bei diversen Privatbahnen unter Beweis stellen, bevor die Maschine nach Italien verkauft wurde. Erfreulicherweise ist diese einmalige Kultlok durch das Engagement der Fa. Wiebe erhalten geblieben.

Auch im Modell ist die Erhaltung absolut wert, denn von den äußeren Dimensionen abgesehen, besticht die immer noch hervorragende Detaillierung. Adäquat ist auch die enorme Zugkraft.
Was also liegt näher, dieses phantastische Modell mit einer zeitgemäßen Digitalisierung nebst Sound zu versehen? Mein Exemplar zeigt sich übrigens in der Epoche IV als 232 001-8.


Also - los geht´s...


Abbildung:


Einfach beeindruckend.
Selbst im Maßstab 1:160 hebt sich diese Lok durch die beispiellosen Dimensionen (deutscher Modellvorbilder) und dem zeitlosen Design ab.





Abbildungen:


Natürlich - auch meine Roco V 320 litt unter "Zahnschmerzen", so wie es nicht selten an älteren Modellen mit Kunstoffzahnrädern vorkommt. Deutlich zu erkennen sind die durchgehenden, axial verlaufenden Risse. Diese Zahnräder haben ihre Schuldigkeit getan.
Doch gibt es im Zubehör passenden, aus Messing gefertigten Ersatz. Es ist also die allererste Handlung, die Radsätze mit Messingzahnrädern zu bestücken. Die Roco - V 320 ist übrigens mit allen 6 Radsätzen angetrieben - das ist keine Selbstverständlichkeit. 






Abbildungen:


Auch der Rahmen muss behandelt werden, denn es wird Platz für den Lautsprechereinbau benötigt. Schließlich soll der Sound auch dem imposanten Lokmodell entsprechen und nicht jämmerlich wirken. Diese Arbeit sollte sehr exakt ausgeführt werden, vorzugsweise mittels Fräse. Eine solche Einrichtung fehlt mir bisher leider, weshalb ich auf meine erlernten Handwerkskünste zurückgreifen musste...
Vorgesehen ist auch eine gut abgerundete Kabeldurchführung für die Lautsprecherverbindung.







Abbildungen:


Die Tankimitation bietet ideale Voraussetzungen, um den Lautsprecher 25 x 9 mm unterzubringen. Die Fotos zeigen, wie sich der Lautsprecher passgenau einfügen lässt, nämlich plan zu allen benachbarten Kanten. 
Wichtig:

Vor dem endgültigen Zusammenbau sollte der Lautsprecher mittels dünnem Klebeband gegenüber dem Fahrzeugchassis unbedingt isoliert werden.







Abbildungen:


Ein neuer Glockenankermotor tritt nun an die Stelle des alten, fünfpoligen Roco-Motors. Das sorgt nicht nur für ein geschmeidiges Fahrverhalten, sondern schafft auch den nötigen Bauraum für den Decodereinbau.
Der Glockenankermotor selbst findet sich in einem modifizierten 3D-Druck-Gehäuse wieder, welches ich günstigerweise noch in der Bastelkiste vorfand. Die Abflachung auf dem 3D-Druck-Gehäuse ist nötig, um später den Decoder in die sich ergebende Vertiefung einzulassen.
Nach dem Schwungmassenwechsel auf den Glockenankermotor wird eine eventuelle Unwucht durch vorsichtigen Beschliff bei laufendem Motor gefühlvoll beseitigt.
Die serienmäßige Platine wird hingegen weiterverwendet, nachdem die Bestückung entfernt ist. Man beachte die Kontaktlasche; diese dient weiterhin als Niederhalter für die neue Motoreinheit. Um den Decoder - ein ZIMO MS 500 - sauber einzulassen, ist es auch notwendig den Platinenausschnitt seitlich zu vergrößern. 








Abbildungen:


Die nicht mehr zeitgemäße Glühbirnenausstattung ersetzte ich durch SMD-LED. Warmweiße Spitzenleuchten und ein getrennt schaltbarer Zugschluss sind in einem speziellen Lichtblock eingebettet. Dieser Lichtblock entstand im CAD-Programm und schließlich als 3D-Druck.


Durch den Entfall der langen Lichtleitstäbe der unteren Spitzenleuchten ergibt sich auch ein geeigner Platz für die selbstgemachten Platinen mit der Widerstandsbeschaltung. Anstelle der serienmäßigen Lichtleitstäbe treten selbst angefertigte Lichtleiter für die Spitzenleuchten. Der obere Lichtleiter wird ebenfalls passend gekürzt, da sich die LED auf einer speziell angefertigten Lichtleiteraufnahme vor den Platinen befindet.
Die Führerraumimitationen bilden nun mit dem Lichtblock und dem Platinenkompartiment eine neue Einheit.

Bei dieser Gelegenheit erhielten die Führerräume auch den beim Vorbild verwendeten resedagrün-Farbton.


Unumgänglich ist die elektrische Verbindung mittels Kupferlackdraht zwischen Gehäuse und Fahrzeugplatine.




Abbildung:


Als kleine Zugabe realisierte ich auch eine zuschaltbare Maschinenraumbeleuchtung. Die oberen Dachfenster dienen beim Vorbild einer besseren Ausleuchtung der vorderen Maschinenräume durch Tageslicht. Das Modell verfügt ebenfalls über diese Fenster. Dessen weiße Hinterklebung wird entfernt und durch schwarzes Material ersetzt. Die eigentliche Illumination dieser Dachfenster geschieht durch ein selbstgebautes Lichtleitersystem.
Der beleuchtete Maschinenraum bildet einen sehr dezenten und vorbildnahen Effekt. 





Abbildungen:


Charakteristisch für die V 320 ist die hochglanzpolierte, vordere Zierleiste. Mir war es ein Anliegen, den Glanz auch im Modell herauszuarbeiten.

Dafür verwendete ich einen speziellen Stift mit Chromeffekt aus dem Modellbaubereich.

Der Vergleich mit einer serienmäßigen Roco-Lok (mein potentieller Ersatzteilträger) zeigt den Unterschied.




Abbildung:


Insgesamt bin ich hochzufrieden mit der nun technisch aufbereiteten Lok und es ist ein ziemlicher Genuss, dieses 1:160- Diesel-Ungetüm in Aktion zu sehen respektive zu hören.




Video:


Einwenig Kopfzerbrechen bereitete mir der Sound, denn die V 320 ist bei ZIMO leider nicht vertreten. In diesem Falle hilft nur ein ersatzweiser Upload. In Frage kommen ohnehin nur zweimotorige Bundesbahn-Lokomotiven - und da wird es schon eng...


Da ich aus meiner eigenen Lokführerzeit auch intensiv mit der 221 zu tun hatte, sind mir die entsprechenden Abläufe mit den damit verbundenen Geräuschen auch heute noch sehr vertraut. Abgesehen von den beiden verbauten 16-Zylinder-MTU-Motoren 16V652 gegenüber der 12-Zylinder-Variante aus der 221, sind die Startabläufe identisch. Das gilt im Grundsatz auch für die Baureihe 220 (V200.0), obwohl diese Lokomotiven eine andere Steuerung hatten. Für die Übertragung in das Modell ist das jedoch unerheblich.

Nach einigen "Soundvideos" der Vorbild-V 320 gelangte ich zu dem Schluss, dass ein leicht modifiziertes Soundprojekt der 220, also V 200.0 mit Mercedes-Motoren ein weitgehend stimmiges Klangbild ergibt.