Second Life: Minitrix - 140


Wieviel Freude ein älteres Lokmodell mit einwenig handwerklicher Eigenleistung bereiten kann, zeigt die hier vorgestellte 140 398-9.

Es handelt sich um ein Modell, welches in unzähligen Exemplaren seit Ende der 1990er Jahre unter der Bestellnummer 12895 erhältlich war. Nichts Besonderes, kein Highlight, sondern die Wiedergabe einer "Brot- und Butter"-Lok auf Basis einer in die Jahre gekommenen Gehäuseform.
Übrigens blieb die Gehäuseform auch für viele weitere Varianten der 140, sowie E 40 unverändert.
Besonders die irgendwie nicht stimmig wirkende Kopfform dieses Modells störte zumindest mich immer so sehr, so dass die Lok eigentlich ein unbeachtetes Schattendasein in meiner Sammlung fristete.
Auch im direkten Vergleich mit der deutlich besser getroffenen Kopfform des Fleischmann-Pendants wollte mir die Minitrix-140 nie so richtig gefallen. Zumindest nicht ohne den nun erfolgten, kosmetischen Eingriff.


Deshalb überlegte ich mir, warum die Minitrix-Kopfform so ungünstig wirkt, denn immerhin ist das restliche Modell sehr gut getroffen.
Als hauptursächlich stellte sich die viel zu prägnant und geradlinig ausgeführte Gummilippen-Imitation heraus. Deren Nachbildung verzerrt die Lokfront optisch in einer überaus ungünstigen Weise. So erscheint die Stirnseite gestaucht und unnötig in die Breite gezogen. Verstärkt wird dieser Eindruck von den relativ eckig wirkenden Kastenenden im Frontbereich.
Bezüglich der Entfernung dieser Leiste orientierte ich mich an der zeitweise durchgeführten Vorgehensweise des Vorbildes: Mit dem Entfall der damals üblichen Blechdachkanten wurde die Lokkastenfarbgebung standardmäßig über die Dachrundungen hinaus ausgeführt. Zunächst wurde allerdings auch kein Bedarf an einer ersatzweise angebrachten Gummilippe gesehen. Deshalb waren die betroffenen Vorbilder noch bis weit in die '70er Jahre mitunter auch ohne besagter Gummileiste oberhalb der Stirnfenster im Einsatz.

Nun sollte aus der "quadratschädelig" erscheinenden Minitrix - 140 auch endlich ein ansehnliches Modell werden, denn es verfügt ansonsten über ein tolles Finish und eine hohe Zugkraft.
Deshalb digitalisierte ich die Lok, verbaute eine LED-Spitzenbeleuchtung und kümmerte mich um ein möglichst authentisches "Facelifting" im Bereich der Lokstirnseite. Die schönen Sommerfeldt- DBS-54-Stromabnehmer runden das Gesamtbild des Modells ab.

Hier kommt die 140 398-9 - willkommen im Second-Life 😊



Abbildung:


Dem Modell dieser Minitrix - 140 liegt eine Gehäuseform aus den 1970er Jahren zugrunde. Dennoch ist es nach dem "Facelifting" eine attraktive "Brot- und Butter" - Lokomotive, zudem recht kraftvoll.
Auf dem Foto legt sich die 140 398-9 mit einem Güterzug in die Kurve. Dabei kommt die typische Kastenform der DB-Baureihe 140 realistisch wirkend zur Geltung. Über die sogenannte Verschleißpufferbohle sehe ich allerdings hinweg, denn das konkrete Vorbild der 140 398-9 war damit nicht ausgestattet. Allerdings gab es durchaus ozeanblaue 140er (auch mit Betriebsnummern unterhalb der 140 757) mit exakt diesem Erscheinungsbild, z.B. die 140 362-5.  





Abbildung:


Der unmittelbare Vergleich zeigt, dass die viel zu eckig wirkende Kopfform des Ausgangsmodells nach entsprechender Bearbeitung deutlich gefälliger und überzeugender aussieht.





Abbildung:


Die Umsetzung sollten nur handwerklich begabte und routinierte Modellbahner vornehmen. Benötigt wird neben einem sehr scharfen und am besten hochwertigen Skalpell auch feines Schleifpapier bis hin zur Korngröße 1000. Außerdem ist unbedingt eine Airbrushausrüstung gefragt, sowie Geduld und Sinn für Formen.

Die beiden Fotos zeigen bereits alle erforderlichen Arbeitsschritte:
Die obere Gummidichtungs-Imitation wird mit dem Skalpell vorsichtig entfernt und anschließend mit viel Geduld verschliffen. Dabei bietet sich die vorsichtige und gleichmäßige Abrundung der Eckpartien an - so, wie es hier gezeigt wird. Achtung: Die Ecken sollten nach der Bearbeitung natürlich möglichst identisch sein. Dafür ist auch ein guter Blick von Vorteil. Zu schnell ist ein Modell durch voreiliges und unbedachtes Handeln unwiderbringlich verloren. Lackiert wurde mit RAL-Lack aus dem Weinert-Programm.
Belohnt wird man allerdings durch ein deutlich ansprechenderes Modell der Baureihe 140.




Abbildung:


Auch eine Gegenüberstellung mit der etwa gleichalten und immer noch hervorragenden Fleischmann-140 braucht die so bearbeitete Minitrix-140 nun nicht mehr zu scheuen. Beide Modelle harmonieren nun gut miteinander.





Abbildung:


Die fertig bearbeitete 140 398-9 präsentiert sich neben der 140 854-1, welche ab 1977 von Minitrix produziert wurde. Diese Gehäuseform wurde über Jahrzehnte für diverse Farb- und Bedruckungsvarianten genutzt. Erstaunlicherweise wirkt die Stirnseite dieser betagten Version in chromoxidgrün mit ihren silbernen Fensterrahmen m.E. gefälliger, als alle danach erschienenen Modelle auf Grundlage dieser Gehäuseform.


Übrigens ist die weiter oben bereits thematisierte Verschleißpufferbohle an der 140 854-1 absolut korrekt. Im Unterschied zu allen übrigen Vorbildloks der Baureihe 140, waren die Maschinen ab der Ordnungsnummer 757 nicht nur wendezug- und doppeltraktionsfähig, sondern besaßen bereits werkseitig die Verschleißpufferbohle.
Ausnahmen bildeten lediglich vereinzelt nachgerüstete Exemplare aus niedrigeren Ordnungsnummern, so u.a. die besagte 140 362-5. 

Der Blick von oben zeigt auch die farblich behandelten Dächer beider Modelle. Neben der Dachleitung, erhielten die Stromabnehmertraversen, sowie der Hauptschalter einwenig Zuwendung mit einem feinen Pinsel. Die Sommerfeld-DBS 54 - Stromabnehmer sorgen für eine bessere Gesamterscheinung. Deren Grundplatten erhielten zudem die entsprechende Dachfarbe in beige, bzw. grün.



Die einst "quadratschädelige" 140 von Minitrix ist nun ein attraktives Modell und für mich eine Bereicherung der Einheits-E-Lok-Sammlung.